Denn es liegt

in unseren Händen

Klimaanalyse

Erste Ergebnisse der Regionalklimaanalyse liegen vor

Das im Mai 2021 beauftragte und vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg im Zuge des Programms KLIMOPASS geförderte Klimaanpassungs­konzept für das Gebiet des Gemeindeverbands Mittleres Schussental enthält als ersten wichtigen Schritt eine Regionalklimaanalyse. Das beauftragte Umweltberatungsbüro GEO-NET aus Hannover hat hierfür eine modellgestützte, flächendeckende Analyse der klima­ökologischen Situation im Verbandsgebiet mit einer Auflösung von 10x10 Metern durchgeführt. Erste Ergebnisse zur Entwicklung des Regional­klimas hieraus wurden im Februar 2022 den Verantwortlichen der Verbandskommunen vorgestellt und mit ihnen erörtert. Dazu gehören Erkenntnisse zur Entwicklung der sogenannten "Physiologisch Äquivalenten Temperatur", kurz PET, einer Maßeinheit für Temperatur, die das menschliche Wohlbefinden miteinbezieht. Anhand der Modellierungen konnte nun gezeigt werden, dass diese "gefühlte Temperatur" bei sommerlichen Wetterverhältnissen im Siedlungsgebiet stellenweise sehr hohe Werte annimmt, Werte, die an einigen Stellen sogar auf eine "starke" bis "sehr starke" Wärmebelastung hinweisen. Angenommen wird hierfür eine Wettersituation die typisch ist für sonnige Sommertage in unseren Breiten: ein Tag mit hoher Sonneneinstrahlung und ohne starken Luftaustausch.

Können diese sogenannten "urbanen Wärmeinseln" - umgangssprachlich auch "Hitze Hot-Spots" genannt - im Siedlungsraum auch nach Sonnenuntergang nicht ausreichend abkühlen, kommt es zu einer zunehmenden Hitzebelastung, die gerade für ältere Mitbürger und für Kinder sehr belastend sein und bei manchen Bevölkerungsgruppen sogar eine gesundheitliche Gefährdung darstellen kann. Verstärkt wird dieser Effekt durch starke Versiegelung, dunkle Oberflächen im Wohnumfeld, eingeschränkte Luftaustauschprozesse, Luftschadstoffe, menschengemachte Wärmequellen und z.B. auch durch eine schlecht gegen Hitze gedämmte Wohnung.

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Im Zuge des Klimawandels ist mit einem erhöhten Belastungsrisiko zu rechnen. Für das Mittlere Schussental wird anhand von Klimamodellen im pessimistischen Worst-Case Szenario (RCP 8.5) für den Zeitraum 2022 bis 2050 eine Zunahme verschiedener Klimatologischer Kenntage vorrausgesagt. Traten im GMS in Referenzzeitraum 1971 – 2000 im Mittel noch 36 Sommertage (Tmax >= 25°C) auf , werden es Mitte des Jahrhunderts etwa 49 Tage sein. Für Heiße Tage (Tmax >= 30°C) ist eine Zunahme von im Mittel 4,5 auf ca. 10 Tage vorausgesagt. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte sich die entsprechende Anzahl – abhängig vom betrachteten Szenario der Treibhausgasemissionen - nochmals deutlich erhöhen. Ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig neben Klimaanpassungsmaßnahmen die globale und lokale Vermeidung von Treibhausgasen ist, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bremsen.

Kurzfristige Abhilfe gegen die zunehmende Überhitzung der Städte und anderer Siedlungsräume schafft vor allem der sogenannte nächtliche "Kaltluftvolumenstrom". Dies sind kühlere Luftmassen, die nachts aufgrund von Temperaturunterschieden, von Hanglagen und entlang von Gewässerläufen in die Siedlungsgebiete einfließen. So kühlen sie das Siedlungsgebiet üblicherweise um mehrere Grad ab.

Ein wichtiges Ziel der klimaangepassten Entwicklung im Mittleren Schussental ist es, diese wichtigen, bestehenden Kaltluftleitbahnen (auch sog. "Kaltluftschneisen") und siedlungsnahe Kaltluftentstehungsgebiete zu schützen und ggfs. in ihrer Funktion zu stärken. 

Aus den Ergebnissen der Regionalklimaanalyse im Zuge der Entwicklung des Klimaanpassungskonzepts abzuleitende Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Lebensqualität auch in den dicht bebauten Gebieten aufrecht zu erhalten und die Aufenthaltsqualität im städtischen Raum wie auch im umgebenden Landschaftsraum zu erhöhen. Hierfür wird auch die Bedeutung städtischer Grün- und Freiflächen sowie angrenzender Siedlungsränder für die lokale Klimavielfalt miteinbezogen. Vor allem an heißen Tagen stellen diese Landschaftselemente wichtige Ausgleichs- und Erholungsräume insbesondere für vulnerable Gesellschaftsgruppen dar.

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Klimaanpassungskonzept: Weitere Handlungsfelder beauftragt

Im Zuge der Vorstellung des Bearbeitungsstands des Klimaanpassungskonzepts im Kreise der Verantwortlichen der fünf Verbandsgemeinden am 9. Februar 2022 wurde neben den zuvor bereits "gesetzten" Handlungsfeldern Menschliche Gesundheit und Risikovorsorge und Bauen, Wohnen, Freiraum- und Siedlungsentwicklung die Analyse weiterer Handlungsfelder in Auftrag gegeben. So sollen im Laufe diesen Jahres nun auch die Handlungsfelder Landwirtschaft, Wald- und Forstwirtschaft, Wasser und Wasserhaushalt, Boden und Bodenschutz sowie Artenschutz und Biodiversität im Rahmen des Klimaanpassungskonzepts einer sogenannten Vulnerabilitäts- oder Verletzlichkeitsanalyse unterzogen werden. Neben Aussagen zur Betroffenheit durch die Folgen des Klimawandels sollen für diese Bereiche auch Maßnahmen abgeleitet werden, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu erhöhen.

Kontakt

Dr. sc. agr. Marius Eisele

Projektleitung Klimaanpassung | Gemeindeverband Mittleres Schussental

Telefon: 0751 82-709
E-Mail: marius.eisele@ravensburg.de

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